Was mein Unterricht bietet

Grundsätzliches

Die eigene Stimme so zu entwickeln, dass sie im Laufe der Zeit ein Instrument wird, erfordert eine Reihe von Maßnahmen, die bewusst angewandt und kontinuierlich geübt werden müssen. Ab einem bestimmten Niveau des Könnens ist die menschliche Stimme ein Werkzeug wie jedes andere Musikinstrument auch. Und eines, das ebenso der regelmäßigen Übung bedarf. Vom unverbindlichen, maß- und regellosen Singen in der berühmten Badewanne bis hin zum vollendeten Wiedergeben einer anspruchsvollen Opernarie liegt eine Riesenstrecke, die bewältigt werden muss und kann.

Da die Musik in ihrer Vielfalt ein großes Gebiet darstellt, gehe ich im Unterricht einen Weg, der von einer grundlegenden Basis ausgeht und sich dann entsprechend der Interessen der Schülerin oder des Schülers verbreitert. Die Intonation eines Blues-Songs zum Beispiel ist etwas anderes als ein klassisches Klavierlied – die Mittelstimme in einem Chorwerk von Bach  unterscheidet sich erheblich von dere Leadstimme in einem Rock- oder Jazzstück. Da wir nicht alles zugleich machen können – erst recht nicht von Anfang an – gehen wir im Unterricht wie angedeutet von einer Basis aus, die sich auf mehrere Ebenen verteilt. Diese seien hier skizziert, damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, was in etwa in meinem Unterricht auf Sie zukommen wird.

Die anatomischen Grundlagen

Hier schauen wir uns die physiologischen Gegebenheiten des Stimmapparats an, die wir für die Entwicklung der Gesangstechnik berücksichtigen müssen. Wir versuchen, mit der Anatomie zu singen und nicht gegen sie. Viele Sängerinnen und Sänger der Rock- und Popmusik haben zur Stimmphysiologie wenig bis gar keine Beziehungen. Jedoch muss man eingestehen, dass es Fälle gibt, wo genau dieses Ignorieren oder das gegen die Anatomie ansingen den jeweiligen Stimmen ein gewisses Etwas verleiht. Manchmal jedoch zu dem Preis, den entsprechenden Organen (Stimmbänder etc.) zu schaden.

Diese Tatsache ist aus der Rockmusik bekannt: Mit einer klassischen Ausbildung würde manch einer, den die halbe Welt seiner Stimme wegen bewundert, genau so nicht mehr klingen. Dennoch bleibt es von Vorteil, die anatomischen Grundlagen zu berücksichtigen: Sie schonen die Stimme und machen sie zu einem verlässlichen Instrument, das einem Freude bereitet und sich im musikalischen Ausdruck bewährt. Im Unterricht bilden daher Übungen zur Anatomie eine wichtige Basis, die wir parallel zu den nachfolgenden Ebenen legen werden.

Gesangsübungen

Singen ist eine Sache der Physiologie und der Musik. Deshalb üben wir Gesangslinien, die Ihnen helfen, bewussten Zugang zu Ihrer Stimme als Instrument zu bekommen. Hierzu gehören Übungen zur Intonation auf Vokale und Konsonanten; ebenso Techniken der Tonraum-Erweiterung sowie, in Verbindung mit Übungen zur Anatomie, auch Atemübungen, Lockerungsübungen und viele andere Praktiken. Weiter aufbauend üben wir Intervalle, Rhythmen und Melodien. Wir werden auch kurze Musikstücke singen, um das Erlernte anzuwenden und umzusetzen.

Stücke singen

Das ist es, worum es wohl den meisten geht: Einfach die Musikstücke zu singen, die ihnen  gefallen und von denen sie sich bewegt fühlen. Andere wollen bald in einer Band singen und sich dort ausprobieren.

Im Blick auf Musik-Titel gehen wir wie folgt vor: Wir analysieren zunächst die Gesangsmelodie und den Text in Verbindung mit der Intonation und Textdeklamation. Dann üben wir die Melodie als Einzellinie ohne Musik, zum Teil auch ohne Text. In einem zweiten Schritt singen wir zur Musik. Als letzte Stufe singen wir ohne instrumentelle Unterstützung. Denn auch dies ist etwas, was häufig unterschätzt wird: Eine Melodielinie zu singen, die irgendwo im Playback mitläuft, ist eine Sache; eine zu singen, die in der Musik selbst nicht zu finden ist, eine andere. Meiner Erfahrung nach haben gerade Einsteiger hiermit Probleme. Aber nur so finden Sie Ihre persönliche Ausdrucksweise. Deshalb unterstütze ich im Unterricht genau diese Form musikalischer Eigenständigkeit anhand vieler Übungen und auch der Songs selbst.

Was mein Unterricht nicht bietet

Vorweg: Wenn Sie zum Beispiel eine Sprache erlernen, steht Ihnen die Aufgabe bevor, einen neuen Wortschatz zu erarbeiten und mittels grammatikalischer Regeln anzuwenden, schriftlich, mündlich, vom Hören und Verstehen her. Die Art und Weise, wie Sie das tun, regeln im Normalfall die Pädagogik und Didaktik: Im Verlaufe vieler Jahrzehnte haben sich Modelle herauskristallisiert, wie der Stoff erarbeitet werden soll. Wir fangen etwa bei Lektion 1 an und gehen schrittweise vor; Beispiele aus der Praxis erfolgen dabei nur im Rahmen des Standes, auf dem sich der Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet.

Genau so ist es beim Gesang. Die oben beschriebenen Grundlagen kommen als erstes, dann geht es schrittweise weiter. Deswegen unterstreiche ich an dieser Stelle:
Ich möchte Schülerinnen und Schüler unterrichten, die daran interessiert sind, über einen längeren Zeitraum die Sache von der Pike auf zu lernen.
Hierzu ist es nötig, Kontinuität zu wahren und die Übungen und Stücke so zu singen, wie ich sie vorgebe. So baut sich im Lauf der Zeit ein Grundstock auf, von dem aus auf stilistische Vorlieben  eingegangen werden kann.
Kein Unterricht hingegen ist es, wenn ich Vorgaben von Schülern übernehme, denen sie nicht gewachsen sind, die sie aber dennoch umgesetzt sehen wollen.

Was ich also NICHT biete, ist ein Unterricht á la carte. Soll heißen: Die Schülerin oder der Schüler gibt mir irgendetwas vor, und das soll dann durchgedrückt werden, unabhängig von der Frage, ob sie oder er dazu überhaupt (schon) in der Lage sind. Sehr häufig läuft dies auf bloßes Vocal-Coaching hinaus, meist mit einem genau umrissenen Zeitplan und anhand eines Stückes.

Erstes Fallbeispiel: Ein Playback zum Geburtstag

Hannahs Ehemann Erwin wird am 1. Dezember 50 Jahre alt. Da sie ihrem Gatten eine Freude bereiten will, kommt sie auf die Idee, den Lieblingssong ihres Mannes SELBST einzusingen. Doch nun: Was tun? Ein Playback ist auf dem Markt nicht erhältlich (oder teuer), eine Ahnung, wie man das Stück singt, hat sie auch nicht. Also kommt sie auf die Idee, einen Gesangslehrer zu kontaktieren (in diesem Fall mich), um das Problem zu lösen. Für mich sieht das im Unterricht (und auch darüber hinaus ) dann so aus:

– Ich soll ein Playback erstellen oder zumindest besorgen

– Ich soll ein Playback transponieren oder auf meine Kosten transponieren lassen

– Ich soll die Noten und den Text besorgen

– Ich soll idealerweise noch die Schülerin oder den Schüler aufnehmen und am Ende eine geschenkfertige CD überreichen.

– Ich soll jemanden, der noch nie gesungen hat und von Musik wenig bis nichts versteht, in womöglich vier, sechs oder acht Wochen alles beibringen, was es da zu lernen gibt. Und das Ganze im Rahmen des Einzelabrufs von sporadisch zu nehmenden Gesangsstunden. Wohl bemerkt: Inklusive der oben aufgelisteten Leistungen!
Der Schüler selbst macht dabei so gut wie nichts. Leider erlebe ich immer wieder eine konsumtive Haltung: mit möglichst wenig Aufwand ein Maximum an Leistung herausziehen zu wollen. Leistungen, die ich erbringe, wie gesagt. Doch das gibt es bei mir  nicht!
Also: Wer solches im Sinn hat, ist bei mir falsch, das ist ein No Go. Hier verweise ich auf Vocal Coaches, die sich auf projektbezogenes Erarbeiten einzelner Songs spezialisiert haben.

Wenn Sie unbedingt nur einen einzelnen Song lernen wollen, dann beschaffen Sie sich bitte das Original, etwaige Karaoke- oder Playalongs mit der passenden Tonart, die Noten, den Text und bringen dies zum Unterricht mit. Ich höre mir das an, sage, was zu tun ist und erarbeite den Song gemeinsam mit Ihnen.

Zweites Fallbeispiel: Chorsänger mit zu großen Ambitionen

Auch das ist ein Umstand, der in den letzten Jahren gehäuft auftritt: Leute, die in einen Chor gehen, sich dort überfordert fühlen, kommen zu mir in der Erwartung, ich könne ihnen dabei helfen, „die Sachen auf die Schnelle“ singen zu können. Mir werden mitunter halbe Bach-Oratorien oder Palestrina-Messen auf den Tisch gelegt, die ich dann in groben und großen Zügen abarbeiten soll. Nur: So funktioniert das nicht. Diese Werke gehören mit zum Schwierigsten, was man in der Musik finden kann (von romantischen Opern oder Highspeed-Rap einmal abgesehen).

Chorsingen ist eine schwere Sache – zumal von Werken der sogenannten Großen Meister. Gerade Mittelstimmen (Alt, Tenor) gegen dominante Basslinien und Soprane zu halten, erfordert erhebliche Sicherheit bei der Intonation und ein trainiertes Ohr. Man sollte also schon zum Beispiel Intervalle sicher singen können. Mal „eben schnell “ ist das nicht zu machen.

Deswegen: Chorsängerinnen und Chorsänger sind herzlich willkommen. Aber es muss klar sein: Bei mir im Unterricht erfolgt nur der oben umrissene Lehrgang, der die technischen Grundlagen des Singens, der Intonation und Deklamation zum Ziel hat. Die Chorstücke  selbst müssen im Chor erarbeitet werden. Viele Chorleiter bieten Sonderproben für die verschiedenen Partien des Chors an; manchmal machen das auch fortgeschrittene Chorsänger in Sonderproben.

Bei mir jedenfalls läuft eine Aufarbeitung des Stoffs nur in zweiter Runde. Ich biete jedoch an: Wenn Sie Aufnahmen mitbringen (CD-Einspielungen, youtube-Material) und die Partituren, können wir im Unterricht die Linien gerne gemeinsam singen. Die Grundarbeit aber muss im Chor selbst erfolgen.
Das Gleiche gilt für die Bereitstellung von Notenmaterial oder die Erstellung von Aufnahmen. Sie müssen diese selbst besorgen, ich übernehme das als Teil meines Unterrichts nicht.